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 Worte / Geschichten / Gedichte, die zum Nachdenken anregen
greatmum4 Offline




Beiträge: 2.558

19.06.2006 08:49
RE: Tut mir leid! antworten

Tut mir leid!

Ihren/seinen Geburtstag vergessen? Euren Hochzeitstag verschwitzt? Den Partner/die Partnerin in aller Öffentlichkeit kritisiert und blamiert? Ihn/sie allein gelassen, als er/sie dich dringend brauchte? Oder gar einen Seitensprung gestanden? Keine Bange: so etwas kommt in den besten Beziehungen vor. Wir sind alle nicht perfekt, sondern zum Glück nur Menschen. Darum ist das Zusammenleben ja grad so spannend!

Fehler passieren also. Mal sind wir Opfer, mal Täter, mal sind wir gekränkt, mal werden wir gekränkt. Doch so lange ein Fehler weh tut, gibt es Hoffnung auf Verzeihung. Nur wem schon alles egal ist, der spürt keinen Schmerz, keine Kränkung, keine Enttäuschung. Dem sind allerdings auch die Beziehung und der/die Partner/in egal und insofern kann man sich das Bitten um Vergebung schenken.

Hat man einen Fehler gemacht, möchte man das Ganze meistens so schnell wie möglich ungeschehen machen. Am liebsten hätte man wohl eine Art Zaubertuch: Wisch und weg! Das ist natürlich Blödsinn. Trotzdem versuchen gar nicht so wenige Leute was Ähnliches. Sie sagen: „Bitte verzeih mir!“ und glauben, damit ist alles erledigt. Sie sind das Problem los, der Ball liegt beim anderen: Wisch und weg! So einfach ist das aber in der Realität nicht, sorry!

„Tut mir leid!“ zu sagen ist zwar ein guter Anfang, doch wenn keine ernsthafte Wiedergutmachungsabsicht dahintersteckt, ist es nicht mehr ein billiger Fluchtversuch, der noch dazu einmal mehr verletzt: Zuerst wird der Partner gekränkt, betrogen, gedemütigt oder im Stich gelassen und dann wird ihm auch noch zugemutet, dass er vergeben und möglichst schnell einen Schlussstrich ziehen soll. Eigentlich eine ziemliche Frechheit, nicht?

Der Schritt, der hier zwischen der Bitte um Vergebung und dem Vergeben fehlt, ist das Wiedergutmachen. Z. Bsp. an den nächsten Tagen und/oder Wochenenden den/die Partner/in mit kleinen Aufmerksamkeiten überraschen. Den/die andere/n vor Freunden loben. Sich die Probleme der/des Liebsten wirklich anhören und sich interessiert damit beschäftigen. Schwierig? Mitnichten! Wenn du nicht mal dazu bereit bist, hast du eine Beziehung mit dieser Person nicht verdient. Und dass sie/er dir nicht verzeiht, ebenfalls.

Das oft belächelte „Abbitte leisten“ ist mehr als nur ein Ritual der Höflichkeit. Eine Geste der Wiedergutmachung signalisiert, dass man das Fehlverhalten bereut und den anderen schätzt und respektiert. Es ist wichtig, da bei einer Verletzung oft nicht nur das aktuelle Verhalten schmerzt, sondern manchmal auch alte Wunden aufgerissen und Ängste aktiviert werden, die das Gleichgewicht in der Beziehung stören. Da braucht es eben schon eine Zeit lang, bis sich alles im wahrsten Sinne des Wortes wieder eingependelt hat.

Wer verzeiht, sollte sich seinen Schritt übrigens gut überlegen. Wenn das Verzeihen nicht wirklich von Herzen kommt, nagt die Verletzung weiter an den Grundfesten der Beziehung. Der „Täter“ lehnt sich entspannt zurück in der Überzeugung, dass alles eh nicht so schlimm war. Im anderen arbeitet die Kränkung aber weiter, um beim nächsten Streit wieder hervorzubrechen, frei nach dem Motto: „Wer hat wem das Schlimmere angetan?“ Die hässlichsten Beziehungsspielchen haben einen zugkräftigen Motor gefunden.

Nicht nur der, der um Verzeihung bittet, sollte es wirklich ernst meinen. Auch der, der verzeiht, muss hinter seiner Entscheidung stehen, wenn die Beziehung weiterhin eine Chance haben soll. Es heißt nicht umsonst: „Vergeben UND VERGESSEN“.

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