Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  
logo
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 245 mal aufgerufen
 © erbes Geschichten, Märchen & Gedichte
erbe Offline



Beiträge: 18

15.06.2008 15:07
RE: © erbes - Die Terroristin antworten

Die Terroristin



AAAAAAH, MAMMMMI…. DER HAT KAPUTT GEMAAAD…. MAAAAAMI !

Susanne rollte ihre Augen und schüttelte grinsend ihren Kopf. Ihre Freundin die Nachbarin, die gerade mit ihrem 7 jährigen Sohn Benjamin bei ihr zu Besuch war und eine Tasse Kaffe trank, erschrak für einen Moment.

MAAAAMIIII, DER HAT KAPUTT GEEE-MAAAD…. MAAAAAMIIIIII.

Die zwei Frauen hörten etwas poltern und daraufhin sprang Susanne auf, denn sie wusste wozu ihre 4 jährige Tochter Denise fähig war. Als Susanne gerade die Tür zum Kinderzimmer aufmachte, flogen ihr etliche Legosteine entgegen und das Erste was sie sah war, ein duckender Benjamin, der seinen Kopf mit den Armen schützte.
``Denise, hör sofort auf mit Lego zu werfen, was soll das? Was ist hier eigentlich los? Könnt ihr euch nicht vertragen?``
Susannes Schimpfen klang nicht sehr überzeugend, wer weiß…. lag es an ihrer ruhigen Stimme oder weil Denise bei ihr einfach noch diesen Welpenschutz hatte?

MAMA……. DER HAT MEIN LEGO KAPUTT GEMAAAAAAAD.

``Ach, das stimmt doch gar nicht, ich wollte ihr Flugzeug nur verbessern. Ich habe nur zwei Steine abgemacht…, wirklich.``
Benjamin schaute Denise dabei sehr böse an und verließ beleidigt ihr Zimmer.
``Mein liebes Fräulein, Benjamin wollte dir doch nur helfen. Schau dich mal hier um, wie es hier wieder aussieht. Ich will das du sofort aufräumst, sonst gehen wir nachher nicht auf den Spielplatz.``
Das war der magische Satz, auf den Spielplatz gehen. Denise Augen wurden größer und sie ließ die restlichen Legosteine fallen.

SPIIIIIIELPLATZ….. MAMIIII, OH JAAA. SPIIIIELPLATZ, MEINE SCHAUKEL.

``Ja, da gehen wir hin aber zuerst wird aufgeräumt, hörst du?`` Denise sammelte die im ganzen Raum verstreuten Bausteine auf und warf sie in eine Kiste. ``Geh und helfe Denise beim aufräumen``, sagte Benjamins Mutter. ``Neee, die ist doch selber Schuld,`` Benjamin setzte sich mit verschränkten Armen auf einen Hocker und zog seine Lippen beleidigt nach unten. Die Mutter nippte noch einmal an ihrer Kaffeetasse und danach verabschiedete sie sich bei Susanne.
``Du, wir sehen uns morgen wieder, ich habe noch etwas zu tun``. Susanne brachte ihre Freundin zur Tür, packte dann ihren Roman * Die Armee der Engel * in ihre Tasche ein und zog ihrer Tochter eine warme Jacke an denn es war doch noch ein sehr kühler Frühlingstag.

Susannes Tochter legte sehr oft ein hyperaktives Verhalten an den Tag und manchmal wuchs ihr dies alles über den Kopf. Sie war mit ihr sogar schon bei einem Kinderarzt und holte sich verzweifelt einen Rat bei ihm. Doch so bald jemand fremdes in Denise Gegenwart sich

aufhielt und versuchte, sich mit dem kleinen Mädchen zu beschäftigen, erschien sie einem wie ein braver Engel. Sie reagierte kaum auf Fragen und klammerte sich dabei eng mit dem Gesicht an ihre Mutter. Der Arzt beruhigte Susanne denn die Kleine war kerngesund und erklärte ihr, dass Kinder in diesem Alter durchaus etwas `überdreht` sind, wenn sie sich unterfordert fühlen.
Susanne spazierte gemütlich die Promenade zum Spielplatz entlang und genoss den Anblick der blühenden Bäume, während Denise immer weiter voraus rannte. ``Denise, mach bitte langsam sonst fällst du wieder hin.`` Kaum hatte sie Denise gewarnt, stolperte die Vierjährige und plumpste mit dem Bauch zu Boden. Susannes Schritte wurden schneller doch Denise raffte sich wieder auf. ``Hast du dir wehgetan? Ich sagte dir doch, dass du langsam machen sollst.`` Susanne befürchtete in diesem Moment kein großes Geschrei mehr, denn eines war Denise nicht, eine Memme die bei jedem Kratzer zu weinen begann.

HI...... HINDEFALLE. GUCK MA MAMI, DRECK… ÄÄÄH…SAUBER MACHE.

Denise streckte ihre mit Sand beschmutzten Hände entgegen und kniff dabei angeekelt ihre Augen zu. Die Mutter holte aus ihrer Tasche ein Tempo und reinigte ihre gespreizten Fingerchen. ``So, aber jetzt machst du ein bisschen langsamer, hörst du?`` Denise nickte und rannte wieder mit vollem Elan dem Spielplatz entgegen denn sie sah schon das Klettergerüst und die Schaukel. Auf einer Bank saß eine Frau und schaute ihrer Tochter beim schaukeln zu, als plötzlich der kleine Wildfang aufkreuzte und sich mächtig beschwerte.

EHHHH, RUUUUUNTER… MEINE SCHAUKEL, MEIIIIIIIIIIIINE SCHAUKEL !

Das Mädchen auf der Schaukel bremste bis zum Stillstand und schaute erschrocken auf Denise, die ihre Hände auf den Hüften abstützte und wie ein Rohrspatz schimpfte. ``Hör mal kleines Fräulein, die Caroline war zuerst auf der Schaukel und du musst jetzt warten, bis du dran bist.`` Endlich erreichte auch Susanne den Spielplatz und begrüßte als erstes die auf der Bank sitzende Frau. Caroline streckte Denise die Zunge heraus und begann langsam wieder zu schaukeln an. Denise starrte sie finster an, sehr finster. Das war zu viel. Nicht nur das ihre Schaukel besetzt wurde, was schon eine große Frechheit war, nein, sondern Caroline hat sie auch noch zu tiefste beleidigt. Die Zunge wurde ihr gezeigt, dass konnte sie sich auf gar keinen Fall gefallen lassen. Was sollte sie jetzt tun? Mit Sand bewerfen wäre jetzt angemessen aber nein, sie hatte eine viel bessere Idee. Kurz entschlossen rannte Denise auf das Mädchen zu und stieß sie einfach von der Schaukel. Caroline stürzte rückwärts zu Boden, in den weichen Sand. Zuerst schaute sie verdutzt aber dann verzog sie ihr Gesicht und ein lauter, sehr lauter Schrei war zu erwarten. Während Carolines Mutter aufgeschreckt zu ihr rannte, bestieg Denise grinsend die Schaukel. Dann schrillte ein Mädchenschrei über den ganzen Spielplatz.

``Das darf doch wohl nicht wahr sein, was haben sie denn für eine Tochter? Nun sagen sie endlich etwas zu diesem ungezogenen Ding.`` Susanne war selber etwas überrascht und schimpfte mit der schaukelnden Denise.
``Sag mal, was soll das? Du kannst doch nicht einfach andere Kinder von der Schaukel schubsen. Was meinst du, wenn das jemand mit dir macht? Entschuldige dich sofort bei diesem Mädchen.``
Denise hatte schon einen mächtigen Schwung auf der Schaukel drauf und rief ein freches

TSCHULDIGEEEEEE…..


heraus. Während die zwei Frauen noch heftig diskutierten, sah Denise weiter hinten im anderen Sandkasten Kinder spielen. Sie bremste bis die Schaukel ihre Geschwindigkeit mäßigte, lies sich einfach los und sprang fast 2 Meter weit in den Sand.

UIIIIIIIIIIIII, GUCK MA MAMA, WIE WEIT HEUTE.

Mit voller Begeisterung rannte sie zu den friedlich spielenden Kindern. Langsam hatte Susanne die Debatte über Erziehung mit dieser Frau satt denn sie wurde immer zorniger und beleidigender. ``Erziehen sie ihre Tochter wie sie es denken, ich werde es genauso tun, auf Wiedersehen.`` Susanne wendete sich von der schimpfenden Frau ab und setzte sich auf eine andere Bank, von wo aus sie einen direkten Blick zum Sandkasten hatte. Sie zog ihre Lesebrille an und noch bevor sie sich in den Zeilen ihres Romans vertiefte, schaute sie auf die Gruppe der spielenden Kinder. Denise stand mitten drin und es schien so, als wenn sie Anschluss zu den Kindern gefunden hatte. Eine ganze, halbe Seite ihres Romans konnte sie lesen, bevor ein Geschrei die himmlische Ruhe des Spielplatz störte.

AAAAAAAH, DES IS NET NUR DIR… DES IST AUCH MEIIIIIIINS. DES IST AUCH MEIIIIIIIIIIIIINS!!!!

Susanne sah durch ihre Brille nur eine verschwommene Gruppe von kleinen Menschen, wie sie auseinander flüchteten und eines dieser Kinder mit irgendetwas in der Hand, um sich schlug. Sofort eilte sie dort hin und erkannte, dass Denise mit einem Stock wild um sich schlug. Ein Junge hielt auch einen Stock in der Hand und fochtet mit Denise. Der Junge war älter und größer als sie doch Denise jagte ihn schließlich wild nach ihm schlagend in die Flucht. Noch bevor Susanne den Streit schlichten konnte, zertrampelte Denise alle gebauten Sandburgen. ``Denise, Denise, hör sofort auf. Was soll das?`` Sie wollte der Kleinen gerade den Ast aus ihrer Hand nehmen da zerschlug sie gerade noch die letzte Sandburg damit. Denise grinste. ``Das war zu viel Denise, ab nach Hause mein Fräulein!`` Völlig entnervt zog sie ihre Tochter am Arm und ging mit ihr nach Hause. ``Was hast du dir dabei gedacht? Du kannst doch nicht nach den Kindern mit einem Stock schlagen!``

DIE HAM ABBA ANGEFANGE. DIE HAM MICH GEÄRGERT. DIE HAM GESAHHHT… ICH DARF NICHT MITSPIELE. DER JUNGE HAT ANGEFANGE. DER JUNGE WOLLT MICH HAUE….

Susanne hatte keine Lust mehr über dieses Thema -Du darfst nach anderen Kindern nicht schlagen- ihre Tochter zu belehren. Ihr Ehemann hatte bald Feierabend und nun wollte sie das Abendessen vorbereiten. Sie grübelte. ``Was könnte ich Martin heute kochen? Worauf hätte er Appetit?`` Sie wählte seine Nummer im Büro und beide unterhielten sich ein wenig über den Tagesablauf. Martin wünschte sich etwas einfaches, einen unkomplizierten Nudelauflauf und verabschiedete sich mit den Worten:
``Bis später Liebes und gebe Denise einen Kuss von mir.``
Susanne seufzte kurz auf, schaute auf die Uhr und bemerkte eine herrliche Ruhe. Das war so entspannend doch ungewohnt zugleich. Während sie Geschirr spülte, schaute sie andauernd auf die Uhr. Irgendetwas stimmte doch nicht, irgendetwas fehlte, nur was? Genau, diese friedliche Stimmung stimmte nicht mit der Uhrzeit überein.

``Denise? Wo bist du und was machst du?``

Keine Antwort.
Vielleicht war sie eingeschlafen, schließlich hatte sie wieder wild getobt. Aber sie schlief selten am Nachmittag.

``Deni-ise, was machst du?``, rief Susanne aus der Küche.

NIX……!

antwortete eine patzige Antwort.

Also, sie schlief doch nicht. Doch Susanne wurde immer nervöser denn es war viel zu ungewöhnlich, dass sie lautlos spielte. Sehr ungewöhnlich. Sie ließ das Geschirr liegen, trocknete sich die Hände ab und ging durch das Wohnzimmer, in Richtung Kinderzimmer. Da sah sie es schon…
Auf der Badezimmertüre waren weiße Fingerabdrücke zu sehen, die eine Spur an der Tapete bis hin zu dem Kinderzimmer sich zog. Susanne öffnete die angelehnte Kinderzimmertür und sah ihre, mit Creme verschmierte Tochter auf dem Boden sitzen. ``Denise, das ist doch jetzt nicht wahr. Schau mal wie du aussiehst!`` Susanne platzte der Kragen, denn sie sah den Deckel der Penatencreme. Überall war sie verschmiert… im Gesicht, auf ihren Klamotten und sogar in ihrem Haar. ``Ab in die Wanne, los ab. Das erzähl ich Papa.`` Susanne war sehr wütend, ließ das Badewasser ein und zog ruckartig Denise Klamotten vom Leib. ``Sag mal spinnst du? Fräulein was soll das denn?``

SCHÄÄÄÄFCHEN…. DA IST SCHÄÄFCHEN DRIN…. HAT PAPA SAGT.

Martin parkte sein Auto wie jeden späten Nachmittag vor seinem Haus und klingelte pfeifend an der Haustür. Er wartete fast eine Minute lang, dann holte er doch seinen Haustürschlüssel heraus und betrat die Wohnung. Er hörte Susannes Schimpfen schon im Flur und ahnte, dass seine Tochter wieder einmal etwas angestellt haben musste. Seine Frau war sehr gereizt und erzählte ihm ohne Begrüßung was vorgefallen war. Martin liebte es, so begrüßt zu werden denn dann wusste er, dass er Feierabend hatte und endlich zu Hause war.

Nach jedem Essen, wenn die Sonne sich langsam verabschiedete, wurde Susanne immer entspannter und das Ehepaar trank dann einen guten Rotwein. Nun herrschte eine angenehme Stille um diese Uhrzeit, denn es war die Zeit in der die `Simpsons` im Fernsehen lief. Denise schaute mit dem Daumen im Mund gespannt zu und nahm ihn nur heraus, wenn sie lachte. Nach dieser Sendung hieß es für sie immer wieder, gute Nacht… schlaf recht schön. Sie drückte ihre Mutter Minuten lang, versuchte somit noch ein wenig Zeit heraus zu schinden. ``Komm Süße, ab ins Bett. Papa liest dir noch eine Geschichte vor.``

JAAAA, PAPA…. GSCHICHTE VOM KAAAATER, BITTÄÄÄÄÄÄÄÄ

Sie zerrte ihren Vater an der Hand, direkt zu ihrem Zimmer. Liebevoll deckte er sie zu, dabei holte er immer wieder Denise Daumen aus dem Mund, doch zwecklos, denn sie steckte ihn immer wieder hinein. ``Was möchte die Prinzessin heute vorgelesen bekommen? Schneewittchen? Die Bremer Stadtmusikanten? Oder…


Kaaaaaater…..,



flüsterte Denis mit dem Daumen im Mund.



Martin schaute ihr lächelnd in die Augen denn es war ihm klar, dass sie diese eine Geschichte schon wieder…. immer und immer wieder hören wollte. Behutsam öffnete er das große Kinderbuch mit Bildern und begann mit Betonung daraus vorzulesen. Er schaute dabei zu wie die Augen seiner Tochter müder wurden und sich langsam schlossen und wieder öffneten, denn er kannte den Anfang mittlerweile schon auswendig.

`` Einsam streifte Kater Pauli durch die nächtlichen Gassen…``
Denise griff in die festen Seiten des Kinderbuches und blätterte zwei Seiten nach vorne.

NEIIIIIIIIIIIIN PAPAAAA…. DES DAAAA…DESSSS DAAAAA!

Sie nahm ihren Daumen wieder in den Mund und schloss ihre Augen. Martin überflog die Zeilen und fing einfach irgendwo an zu lesen….

`` Verzweifelt versuchte Kater Pauli seine Tränen zu verbergen, als seine geliebte Katze in den dunklen Gassen verschwand….``

Nun war sie eingeschlafen, wie ein friedlicher Engel. Einen Augenblick sah er sie an und dachte über ein Geschwisterchen für sie nach. Bevor er ihr einen Nachtkuss gab, las er trotzdem die letzten Sätze ihrer Lieblingsgeschichte vor:

`` Nun erlischt Ihr Licht aus seiner Sicht, sachte… wie einen Sonnenuntergang….
Und im Mondschein erhebt sich eine Tatze…. ein Salut für seine geliebte Katze. ``




Ende

 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de