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 © Susanne Krieber
greatmum Offline




Beiträge: 7.842

29.06.2007 04:30
RE: © Susanne Krieber - Warum ich Regen so liebe antworten

Warum ich Regen so liebe


Es war an einem Novembertag. Ich saß in meinem Büro, pausenlos läutete das Telefon. Alles geschäftliche Anrufe, nur einmal war es meine Freundin Caroline, sie überredete mich zu einem abendlichen Kinobesuch.

Als ich den Hörer wieder auf die Gabel legte, blickte ich kurz zum Fenster hinaus. Es regnete und einen Augenblick dachte ich, dass mir ein gemütlicher Abend daheim, lieber gewesen wäre.

Aber Caroline lebt seit kurzen wieder alleine und hätte mir eine Absage sicher übel genommen.

„Was tut man nicht alles für gute Freunde.“

Büroschluss, ich verließ das Bürogebäude. Noch in der Eingangstüre stehend, spannte ich meinen Regenschirm auf, schlug meinen Mantelkragen in die Höhe und ging, fast im Laufschritt zur Straßenbahnhaltestelle.

„Sauwetter“, dachte ich.

Eine halbe Stunde später war ich schon daheim. Zum Essen
blieb keine Zeit, ich kochte mir schnell eine Tasse Kaffee und gönnte mir eine kleine Verschnaufpause.

Dann ein kurzer Blick aus dem Küchenfenster. Unaufhaltsam
prasselt der Regen gegen die Fensterscheibe, das Außenthermometer zeigt 16°. „Kalt war es zum Glück nicht“, dieser Gedanke erleichterte mir meinen Entschluss, mich für meine Verabredung fertig zu machen. Kurz vor zwanzig Uhr verließ ich das Haus.

Es waren nicht viele Leute auf der Straße, aber die wenigen schienen es recht eilig zu haben, sie alle wollten möglichst schnell und trocken nach Hause kommen.

Ihre Eile war mir auf einmal völlig unverständlich, denn meine Schritte wurden immer langsamer, meine Atemzüge immer tiefer. Ich merkte, wie die vom Regen gereinigte Luft mir gut tat, wie ein Schwamm nahm ich sie in mir auf. Es war mir als würde ich frische Energie tanken, Wohlbefinden überkam mich.

Fast automatisch klappte ich meinen Regenschirm zu, ich wollte die kleinen, kühlen Regentropfen auf meiner Haut spüren. Meinen Kopf legte ich tief in den Nacken und als die ersten Tropfen über meine Wangen liefen, fühlte ich, wie sie den Alltagsstress von mir nahmen. Ein kleines Stück Freiheit erwachte in mir. Ich wollte es gar nicht glauben, doch es war noch keine zwei Stunden her, dass ich von all dem nichts
ahnte und empfand. Es war nicht einmalzwei Stunden her.

Erst jetzt bemerkte ich, dass ich schon bei der Bushaltestelle angekommen war.

Die Blicke der wartenden Menschen richteten sich auf mich.
Ich sah sicher wie ein begossener Pudel aus, aber das alleine war nicht der Grund, die meisten Passanten sahen verständnislos auf den geschlossenen Schirm in meiner Hand.
Ihre Gedanken konnte ich förmlich lesen. „Spinnerin“ stand in ihren Gesichtern geschrieben.

Da löste sich ein junger Mann aus der wartenden Gruppe. Er klappte seinen Schirm zu und stellte sich direkt neben mich. Mit einem belustigenden Lächeln sah er mich an.

Plötzlich legte er seinen Kopf in den Nacken, atmete tief durch und ließ sein Gesicht vom Regen berieseln.
Aus dem Lächeln wurde ein lautes Lachen. In diesem Augenblick war ich mir ganz sicher, er versteht mich, er
empfand genau wie ich, ich konnte gar nicht anders, ich stimmte in sein lautes Lachen ein.
Es war schön dieses Gefühl von Lebensfreude mit jemanden teilen zu können.

Der Bus kam, aber wir stiegen nicht ein.

© Susanne Krieber

Wer von sich behaupten kann, er sei ohne Fehler - ist selbst einer!



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