Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  
logo
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 412 mal aufgerufen
 Advent/Nikolaus/Weihnachten
greatmum4 Offline




Beiträge: 2.558

05.08.2006 11:24
RE: Wie der Iler die Braut gewann von Bettina Buske antworten

Wie der Iler die Braut gewann

© Bettina Buske

Es war einmal ein Kaufmann, der hieß Hans. Hans bereiste viele Länder und handelte mit schönen Waren. Samt und Seide, Parfüm und Gewürze, Gold, Edelsteine und andere Preziosen wurden hier gekauft und dort verkauft und so wurde er in den Ländern bekannt und beliebt. Er war an den Königshöfen ein gern gesehener Gast, denn neben den schönen Waren brachte er auch Geschichten aus anderen Ländern mit.
Aber zur Weihnachtszeit reiste der Kaufmann in seine Heimatstadt und blieb bis Ende Januar, um die Festtage bei seiner Mutter zu verbringen und seine Geschäftskontakte mit den Handwerkern und Händlern der Stadt zu pflegen. Am ersten Weihnachtsfeiertag machte er jedes Jahr dem Bürgermeister der Stadt einen Besuch und brachte dessen Tochter Rosa ein Geschenk mit.
Der Bürgermeister hatte öffentlich einen Eid geschworen, seine Tochter nur mit einem Mann zu verheiraten, der klüger sei als er. Wer aber so vermessen sei, sich zu bewerben und die Prüfung nicht zu bestehen, würde auf Lebzeiten aus der Stadt verwiesen und seines Besitzes verlustig.
Da die Tochter schön war und auch eine große Mitgift erhalten würde, gab es immer wieder Bewerber, die auf ihr Wissen und Glück vertrauend, sich der Prüfung stellten. Nur hatte der Bürgermeister gar nicht im Sinn, seine Tochter zu verheiraten und so stellte er eigenartige Fragen, erklärte jede Antwort für falsch und lies die Bewerber aus der Stadt jagen. So gingen die Jahre dahin und nur noch selten freite jemand um die Tochter des Bürgermeisters.
Für den Kaufmann Hans gab es auf der ganzen Welt keine Frau, die ihm besser gefallen würde als des Bürgermeisters Tochter und auch Rosa hatte den Hans von Herzen gern. Doch Hans wollte sich nicht der Willkür des Bürgermeisters aussetzen, denn seine Mutter war schon alt und sollte weder ihr Heim verlieren, noch die Besuche des Sohnes vermissen müssen.
Es war der Tag vor Heiligabend, da saßen Mutter und Sohn gemeinsam in der Küche. Er machte seine Abrechnungen am Küchentisch und sie verrührte Mehl, Eier und andere Backzutaten zu einem Teig. Da sprach sie zu ihm: "Hans, mein lieber Sohn, was auch immer Du mir morgen Abend für schöne Geschenke machen wirst, es wird meine Wünsche nicht erfüllen. Ich möchte noch Enkelkinder in meiner Küche herumtoben sehen und habe nicht mehr so viele gute Jahre, geduldig warten zu können. Du bist schon lange heiratsfähig. Ich weiß doch, dass du die Tochter des Bürgermeisters liebst, warum freist du sie nicht?"
"Ach Mutter" antwortete Hans " der Bürgermeister ist ein Betrüger, niemand, so schlau er auch war, hat die Prüfungen bestanden, alle haben Haus und Hof verloren. Das kann ich dir nicht antun." " Pah", sagte die Mutter " den Bürgermeister kenne ich seit der Kindheit, schon damals hat der Alfons gern geschummelt. Wir müssen ihn nur dazu bringen, den Wissensvergleich nach festen Regeln in aller Öffentlichkeit zu akzeptieren. Jetzt aber, solange der Kuchen backt, werden wir gemütlich Glühwein trinken und du erzählst mir von deinen Reisen." Und so taten sie es auch, sie tranken den würzig duftenden Glühwein, den die Mutter aus den mitgebrachten Gewürzen bereitete und der Kaufmann erzählte von den fernen Ländern, die er bereist und den interessanten Dingen, die er dabei gesehen hatte. Der Kuchen war schon lange aus dem Ofen und noch immer saßen sie in der Küche, in der es so schön nach Backwerk und Glühwein roch, das Feuer knisterte im Ofen und die Nacht war schon angebrochen. Der Glühwein hatte beiden die Wangen gerötet und auch die Zunge steifer gemacht. Lachend stand die Mutter auf, goss, sich auf den Tisch stützend, ihrem Sohn den Rest des Glühweins in den Becher und bemerkte dabei, dass er während des Erzählens in das Geschäftsfreundebuch kreuz und quer einige Worte davon geschrieben hatte. Verwundert kniff sie die Augen zusammen. Manche Worte überschnitten sich und benutzen dabei dieselben Buchstaben. "Hicks" machte die Mutter "isch glaube jetzt hab isch den Aalfons, sch…schlllaf schön."
Sie gingen zu Bett, aber Hans der Kaufmann fand keine Ruhe. Die ganze Nacht musste er über das Gespräch mit seiner Mutter nachdenken, jedoch konnte er nicht entdecken wie der Bürgermeister zu überlisten sei. Gegen Morgen war sein Plan, das Elternhaus zu verkaufen und mit Rosa und seiner Mutter zu fliehen. Gefallen fand er nicht an diesem Plan, den er liebte die Ehrlichkeit so sehr, dass seine Kunden ihm den Beinamen "Hans der Redliche" gegeben hatten.
Hans ging in aller Frühe in den Hof und begann Holz zu hacken. Als er mit einem Korb voll Feuerholz in die Küche kam, saß dort seine Mutter bei einer Tasse Kaffee über seinem Geschäftsfreundebuch und schrieb in die Rechenkästchen Buchstaben, wobei sie manche Felder schwarz ausmalte.
Sie sagte, "Schön dass du kommst, sag mal, kennst du das Wort big?" "Big ? Das ist in England die Bezeichnung für groß oder erwachsen." "Prima" sagte die Mutter "und der Fluss in Italien, der durch Turin und Cremola fließt, von dem du mir erzählt hast, schreibt der sich mit nur zwei Buchstaben, Peh und Oh? "Ja" sagte Hans, so wird der Po geschrieben". "Hmm" sagte die Mutter "kennst du etwas, das Iler heißt?". ""Nein" antwortete Hans, "Iler, so ein Wort habe ich noch nie gehört. Warum fragst Du?" "Du hast mich da gestern auf eine Idee gebracht. Wir machen ein Buchstabenrätsel, das der Bürgermeister lösen muss, natürlich öffentlich, beim Sylvesterball vielleicht. Wenn er es nicht schafft, dann ist der Rätselmacher, also du, klüger als er und er muss dir seine Tochter zur Frau geben." "Lustige Idee" sagte Hans "aber ein Iler gibt es nicht." "Eben" antwortete die Mutter "das braucht noch ein Ding. Iler steht hier, also gibt es das Wort ab jetzt, es muss nur noch etwas werden." " Haha, na so gesehen magst Du Recht haben. Es wird bestimmt irgendein Ding geben, das gut Iler heißen könnte. Ich kann mich gleich bei meinen Geschäftspartnern umhören." Mit ernstem Gesicht betrachtete Hans die Seite seines Geschäftsfreundebuches beim Kaffeetrinken. Dann griff er zum Stift und schrieb noch einiges dazu, so dass das ganze Blatt ein rechteckiges Rätsel ergab, mit einer symmetrischen Aufteilung der schwarzen Blindfelder. Dabei war kein Teil des Rätsels vollständig von einem anderen Teil abgeschnitten worden durch die schwarzen Felder und alle eingetragenen und sich ergebenen Buchstabengruppen ergaben Antworten auf eine Frage, bis auf vier Kästchen am linken Rand senkrecht, da stand ILER.
Nach dem Frühstück machte er sich auf, seine Geschäftsfreunde zu besuchen. Sein Weg führte ihn zum Fassmacher, er brachte ihm ein kleines Fass voll Whisky aus Schottland mit, besprach noch die Lieferung für das nächste Jahr und sah ihm eine Weile beim Zusammensetzen der Fässer zu. Als der Böttcher mit einem zweigriffigem Metall das Holz des Fasses glättete, fragte der Kaufmann, was das für ein Werkzeug sei. "Das ist ein Schabeisen" sagte der Böttcher. "So sieht es auch aus" antwortete Hans der Kaufmann, wünschte noch "Frohe Weihnacht" und ging zum Goldschmied. Dem Goldschmied hatte er eine Kette aus Italien mitgebracht, eine feine Arbeit, wie sie in seiner Stadt bisher noch nie gesehen wurde. Er erzählte ihm von dem Schmuck, den er auf seinen Reisen gesehen hatte, welche Steine gerade gefragt waren und lies sich Arbeiten des Goldschmiedes zeigen. Dann gab er ihm einen großen rosefarbenen Diamanten und versprach ihm einen guten Preis, wenn er ihm bis zum Vormittag des ersten Weihnachtsfeiertages einen Ring damit fertigte. Dabei fragte er nach den Namen der Werkzeuge, konnte aber nichts Neues entdecken. So wünschte er ihm "Frohe Weihnacht" und ging zum Kammmacher am Ende der Gasse.
Er hatte für den Kammmacher spanischen Wein in krummen Flaschen mitgebracht und einige Kämme, mit denen sich die Damen in Spanien den Schleier ins Haar stecken. Die Hornkämme des Kammmachers waren dort sehr begehrt und der Kaufmann wünschte, dass er nun auch Einsteckkämme mit schönen Mustern fertigte. Als er die Werkstatt betrat, sah er gerade, wie der Kammmacher mit einem gebogenen Messer ein Kuhhorn ausschabte. "Was ist denn das?" fragte der Kaufmann. "Das ist mein neues Schabeisen" sagte der Kammmacher, "habe ich gerade erfunden." "So ein nützliches Ding braucht einen besonderen Namen" meinte der Kaufmann. " Ein Schabeisen hat schon der Böttcher und der Tischler. Du hast einen Iler, mit dem ilst du das Horn aus, das klingt doch viel besser als schaben." "Wenn du meinst" antwortete der Kammmacher und Hans der Kaufmann erzählte ihm, warum seine Erfindung Iler heißen muss. Damit war der Kammmacher sofort einverstanden, denn sein Bruder hatte vor Jahren um die Tochter des Bürgermeisters gefreit und so seinen Besitz verloren.
Also machte sich der Kammmacher auf in die Nachbarstadt, um dort noch schnell ein Patent auf seinen Iler anzumelden, bevor das Amt in die Weihnachtsferien geht.
Fröhlich ging Hans, der Kaufmann wieder nach Hause und erzählte seiner Mutter, was er erreicht hatte. Gerade hatte die Mutter einen Korb mit Esswaren fertig gemacht und lief so schnell sie konnte damit zur Frau des Lehrers, um mit ihr die Armenspeisung vorzubereiten. Dabei erzählte sie ihr, dass ihr Sohn gern die Tochter des Bürgermeisters heiraten würde und fragte an, ob es nicht möglich wäre, am Sylvestertag das Buchstabenrätsel öffentlich aufzuführen, um den klügsten Bürger der Stadt herauszufinden. Die Lehrersleute waren schon lang nicht mehr mit dem Gebaren des Bürgermeisters einverstanden, der die besten Männer aus der Stadt vertrieben hatte und besprachen mit der Mutter, wie sie das Ratespiel am Sylvestertag durchführen werden.
Den Heiligabend verbrachten Mutter und Sohn in freudiger Stimmung, ihre Geschenke lagen unbeachtet auf der Anrichte, sie saßen am Tisch, tranken Glühwein und bauten gemeinsam Kreuzworträtsel. In ihren Rätseln war ein Begriff immer dabei, das Schabeisen der Kammmacher.
Zum Frühstück am anderen Morgen besuchte sie der Goldschmied und brachte den bestellten Ring. Die Mutter des Kaufmanns fragte, was das für ein Ring sei und Hans antwortete, das sei der Verlobungsring für Rosa. "Der Ring ist sehr schön" antwortete die Mutter, "eigenartig der Stein, rosa und manchmal hellbraun, aber hast du mir nicht erzählt, dass farbige Diamanten nicht so gefragt sind wie weiße? Warum bist du gerade beim Verlobungsring sparsam?" "Ja Mutter" antwortete Hans " das ist wohl wahr, weiße Diamanten in dieser Größe sind teurer als der hier, aber Rosa mag nur farbige Edelsteine. Ich will ihr unbedingt einen Diamanten schenken, ist er doch das Zeichen der Ewigkeit. Rose´ ist die Farbe die zu Rosa passt und der wahre Wert einer Sache wird nicht immer durch den Preis ausgedrückt." " Oho" sagte die Mutter mit einem Schmunzeln, " du bist ein Kaufmann, der den Wert einer Sache ideell empfindet." Hans lachte " Nun, ich meine auch, dass es ist ein Fehler ist, farbige Diamanten schlechter zu taxieren. Ich werde sie in größeren Mengen aufkaufen, die nächste Generation zahlt vermutlich schon ganz andere Preise dafür."
Als Hans am Nachmittag den Bürgermeister besuchte, saß dort am Kaffeetisch auch der Lehrer, der ihm heimlich zuzwinkerte. Und er sah Rosa, die ihm freudig entgegen kam. Der Bürgermeister wischte sich mit einer Serviette den Mund und sagte: "Ah, mein lieber Freund, ich habe ja interessante Sachen von ihnen gehört. Sie sollen eine Methode entwickelt haben, mit der der Wissenstand unterhaltsam überprüft werden kann. Ich habe auch gehört, dass sie geprahlt haben, dieses Rätsel sei so intelligent entwickelt worden, dass selbst ich es nicht lösen kann. Glauben sie mir, mein lieber Freund, ich löse alle Rätsel." Der Kaufmann verneigte sich vor dem Bürgermeister und sagte, dass er eine Tafel vorbereiten werde und der Bürgermeister könne zur Unterhaltung der Bürger sein großes Wissen vor dem Sylvesterball beweisen, denn dort wolle er seine Methode vorstellen. Dann überreichte Hans der Rosa ein kleines Päckchen und wünschte ihr laut "Frohe Weihnacht" und flüsterte "Ich hoffe, du erkennst was es bedeutet, Liebste." An ihrem roten Gesicht sah er, dass sie es erkannt hatte und als sie zart "Ja, gerne" hauchte, bekam auch er einen Anflug von Röte ins Gesicht. Neugierig sah nun auch der Bürgermeister nach dem Geschenk " Oh, mein lieber Freund" sagte er,
"wenn das ein Diamant wäre, müsste ich glauben, sie wollten mich herausfordern. Glücklicherweise ist es ein Farbstein." Die Antwort des Kaufmanns war:"Es ist, was es ist".
Am letzten Tag des Jahres war es in der Stadt so Brauch, dass sich die Honoratioren im Rathaussaal zum Sylvesterball trafen und auf dem Rathausplatz waren Buden und Stände für die anderen Bürger aufgebaut, damit alle gemeinsam das alte Jahr verabschieden und das Neue begrüßen können. In all den Jahren zuvor begann die Veranstaltung abends um 19 Uhr, aber in diesem Jahr füllte sich der Platz bereits schon am Nachmittag. Das es ein Buchstabenrätsel geben wird hat die Runde gemacht und die Bürger waren gespannt, eine neue Unterhaltung kennen zu lernen, auch wollten sie sehen, wie sich der Bürgermeister so schlagen würde und so manch einer der Zuschauer hoffte, dass er endlich einmal in seine Schranken gewiesen würde. Bald schon kam Hans der Kaufmann mit einem Pferdefuhrwerk vorgefahren, auf dem eine große rechteckige Platte lag. Sie wurde auf einer Bühne aufgebaut und die Menschen sahen, dass die Fläche in rechteckige weiße Kästchen aufgeteilt war, die nummeriert waren und in symmetrischen Abständen von schwarzen Kästchen unterbrochen wurde. Noch hatten sie keine Vorstellung, was das werden sollte. Als die Veranstaltung begann, trat Hans hervor und erklärte den Leuten, wie das Rätsel funktioniert. Dann bat er sie, eine Person zu bestimmen, die die Fragen laut vorliest und eine Person zu bestimmen, die die versiegelten Antworten erhält und mit dem Ergebnis des Bürgermeisters vergleicht. Die Fragen sollte der beliebteste Schauspieler des städtischen Theaters verlesen, so riefen alle Frauen auf dem Platz, die versiegelte Antwort sollte der Notar der Stadt verwahren.
Als der Bürgermeister die Bühne betrat, begann der Schauspieler mit wohltönender Stimme: "Eins waagerecht, Vogelnachwuchs." Vier Felder zählte der Bürgermeister "Das kann nur Brut sein" und schrieb es ein.
"Eins senkrecht: Verlobte" Wieder zählte der Bürgermeister die Felder, von denen das erste schon mit einem B belegt war "Braut, wie einfach das ist" rief er und ziemlich schnell hatte er den oberen Teil des Rätsels ausgefüllt. Im Mittelteil dann wurde nach europäischen Städten und Flüssen gefragt und nach Metallen und immer gelang es dem Bürgermeister, ein Wort in das Rätsel zu schreiben, meist wusste er es, manchmal ergab sich aus den schon im Rätsel stehenden Buchstaben der Hinweis auf die Lösung. Dann kam es. Klangvoll tönte die Stimme des Schauspielers: "33 waagerecht, Schabeisen der Kammmacher": "Was soll das sein?" dachte der Bürgermeister, aber dann sah er, dass es nur vier Buchstaben waren, von denen schon zwei in der Mitte eingetragen waren. Von London ein L und vom Esel ein E. "nichtslenichts" dachte der Bürgermeister, "hmlehmm" Flex werden die meinen, mal sehen Frauenname nichts nichts ona, Fiona wird das sein, dann ist das Schabeisen der Kammmacher Flex, davon habe ich schon gehört, eine Flex.
Der Kaufmann hatte bei der Gestaltung der Blindfelder sehr darauf geachtet, dass das Wort sich nicht durch die senkrecht gelösten Begriffe ergeben kann und falsch eingeschriebene Lösungen auch einen Sinn ergeben.
Als der Bürgermeister siegessicher seine Arme hob und einige Leute ihm im Publikum applaudierten, öffnete der Notar den Umschlag , holte das Lösungsblatt heraus und begann mit dem Schauspieler, die Lösungen zu vergleichen. Fast alles war richtig, aber eben nur fast. Der gesuchte Frauenname war Ilona und nicht Fiona, das Schabeisen der Kammmacher hieß Iler und nicht Flex.
Da trat der Kaufmann mit Rosa an der Hand auf die Bühne und gab dem Publikum bekannt, dass am kommenden Sonntag die Hochzeit sein wird und alle Bürger der Stadt dazu eingeladen sind. Der Bürgermeister dachte, er höre nicht richtig, fühlte sich betrogen und der aufkommende Zorn lies ihn die Tafel umstoßen.
In diesem Augenblick war ihm klar geworden, dass es dem Kaufmann nicht darum gegangen ist, sein Rätselspiel vorzustellen. Wer mehr weiß darf seine Tochter heiraten, so hatte er es damals auf dem Rathausplatz geschworen, als er noch dachte, die Regeln bestimmen zu können. Nun war er so dumm gewesen, einen Wissenstest nach den Regeln anderer zu machen. Da die Bürger jubelten, gab er keine Einwände gegen die Bekanntmachung. denn er merkte wohl, dass er sein Spiel verloren hatte. Wer ihn so vorführt, hat Ideen und Verbündeten. Widerwillig gab er bekannt, dass zu Ehren des Brautpaares die Vertriebenen wieder in die Stadt kommen dürfen und auch ihren eingezogenen Besitz zurückerhalten werden.
Da war eine große Freude in der Stadt und als am Sonntag dann die Hochzeit gefeiert wurde, waren auch die vertriebenen Bewerber mit ihren Familien dabei. Rosa und der Kaufmann lebten glücklich miteinander und die Mutter des Kaufmannes konnte sich noch lange an dem fröhlichen Spiel ihrer Enkelkinder erfreuen. Das Entwerfen von Kreuzworträtseln ist ihre liebste Beschäftigung geworden, ihr Sohn war Kaufmann genug, um auch daraus eine Verdienstmöglichkeit zu machen und so wurden jeden Monat Kreuzworträtselbücher verkauft, die die Leute begeistert lösten. Der Bürgermeister, von seinem Amt abgedankt, saß zu Hause und schrieb an einem Kreuzworträtsellösungsbuch.
Nachsatz
Das erste Kreuzworträtsel der Welt erschien am 21. Dezember 1913 in der Weihnachtsbeilage der Zeitung New York World, so ist es auf Wikipedia zu lesen.
Iler ist ein althochdeutsches Wort.

 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de