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 Geschichten
greatmum4 Offline




Beiträge: 2.558

25.06.2006 12:17
RE: Die kleine Prinzessin und ihre Krone Antworten

Die kleine Prinzessin und ihre Krone

“Hui!“, jubelte die kleine Prinzessin Leilah, als sie den Hügel hinunterrollte. Sie spielte eines ihrer Lieblingsspiele. Immer wieder kletterte sie einen kleinen Hügel hinauf. Oben angekommen, legte sie sich auf die Seite und kugelte wild drehend nach unten. Ihr Haar war ganz zerzaust, und sie atmete heftig. Doch sie lachte vor Vergnügen und konnte gar nicht genug bekommen. Dann hörte sie ihre Mutter, die Königin rufen: „Leilah, komm Abendessen!“ „Ich komme gleich, Mama“, antwortete Leilah. Prüfend schaute sie auf ihr Kleid, das etliche Grasflecke bekommen hatte. Au weia, dachte Leilah, hoffentlich würde ihre Mutter nicht mit ihr schimpfen. Eilig zupfte sie einige Grashalme ab und rieb über den Stoff. Die Flecken blieben wie sie waren. Leilah seufzte. Dann griff sie in ihr Haar um ihre silberne Krone gerade zu rücken. Leilah war sehr stolz auf ihre Krone. Sie trug sie jeden Tag und legte sie nur zum Schlafen ab. Jetzt griff Leilah´s Hand jedoch ins Leere. Leilah erschrak. Ihre Krone war nicht mehr da!

Vielleicht ist sie ins Gras gefallen, überlegte Leilah. Sie suchte die Wiese am Fuß des Hügels gründlich ab – aber ihre Krone fand sie nicht. Lediglich eine zerrissene Halskette lag zwischen den Grashalmen, die sie gleichgültig in die Tasche steckte.
Oh nein, dachte die kleine Prinzessin unglücklich. Ich habe meine Krone verloren. Und heute haben wir einen Gast zum Abendessen. Ich hatte mich so darauf gefreut, ihm meine neue Krone zu zeigen. Nun werde ich stattdessen nur ein Band im Haar tragen können.

„Was ist los? Warum guckst du so traurig?“, wurde die Prinzessin da gefragt. Leilah schaute auf und erkannte ihren älteren Bruder Reginald. „Ach Reginald“, schluchzte sie. „Ich habe beim Spielen meine Krone verloren und finde sie nicht wieder.“
„Hast du schon überall gesucht?“, wollte Reginald wissen.
„Ich habe auf der ganzen Wiese nachgesehen“, nickte Leilah.
„Auch im Gebüsch?“, fragte Reginald. Er zeigte auf die Hecke, die am Rand der Wiese wuchs. „Vielleicht ist sie dorthin gerollt.“
Daran hatte Leilah nicht gedacht. Sie rannte zur Hecke und lief suchend an ihr entlang. Plötzlich sah sie etwas Silbernes zwischen den Zeigen schimmern. Doch als sie sich danach bückte, war es nur eine alte Brosche. „Hier ist sie auch nicht“, erklärte sie ihrem Bruder enttäuscht, als sie das Schmuckstück einsteckte.
Reginald hatte ihr beim Suchen geholfen. „Schau was ich gefunden habe!“ Er reichte ihr einen goldenen Kamm.
„Ich glaube, der gehört Mama. Vor einiger Zeit hat sie doch erzählt, sie hätte ihren Lieblingskamm beim Reiten verloren“, erinnerte sich Leilah.
„Bestimmt freut sie sich, wenn du ihn ihr zurückbringst“, meinte Reginald.
„Ja, und vielleicht meckert sie dann nicht wegen meiner verlorenen Krone“, hoffte Leilah.
„Wir müssen jetzt Los, sonst kommen wir zu spät zum Abendessen!“, drängte Reginald.

Gemeinsam stürmten sie den Hügel hinauf und ins Schloss hinein. „Endlich kommt ihr“, empfing sie die Königin ungeduldig. „Wir warten schon auf euch.“ Schnell wusch sie der kleinen Prinzessin Gesicht und Hände und kämmte sie. Dann zog sie ihr das alte Kleid aus und dafür ein Festkleid an. Die Grasflecke auf dem alten Kleid bemerkte sie in der Eile nicht. Puh, Glück gehabt, dachte die Prinzessin erleichtert. Als ihre Mutter das Zimmer verließ, fiel Leilah der goldene Kamm wieder ein. Er steckte immer noch in der Tasche des schmutzigen Kleides. Leilah nahm ihn heraus und stopfte ihn in ihr Festkleid. Auch die anderen Fundstücke steckte sie ein. Dann flitzte sie hinter ihrer Mutter her. Zusammen betraten sie den Thronsaal und setzten sich an den langen Tisch.

Der König, Leilahs Vater, erzählte dem Besucher gerade eine Geschichte. Er berichtete über einen Drachen, der das ganze Königreich in Angst versetzt hatte. Leilah war es gewesen, die den Drachen endlich vertreiben konnte. „Zum Dank dafür habe ich ihr eine wertvolle Krone geschenkt.“, endete der König.
„Willst du unserem Gast deine Krone nicht zeigen, Leilah?“, fragte die Königin.
„Hol sie schnell!“
Leilah verschluckte sich vor Schreck an ihrem Saft. Sie hustete. Dann gestand sie leise, dass sie ihre Krone verloren hatte. „Reginald und ich haben sie überall gesucht, Mama“, versicherte sie. „Dabei haben wir deinen goldenen Kamm gefunden.“
„Mein Lieblingskamm!“, freute sich die Königin. „Wie schön, dass ich ihn endlich wiederhabe.“
„Ich habe noch mehr entdeckt“, berichtete Leilah eifrig und holte die anderen Schmuckstücke hervor.
„Meine Brosche!“, freute sich der König.
„Und meine goldene Kette“, staunte Reginald.
Der Gast lachte. „Dann ist ja alles wieder da“, schmunzelte er.
„Nur meine Krone nicht“, meinte Leilah traurig.
Der König lächelte. Er zog Leilah´s Krone hinter seinem Rücken hervor. „Deine Krone rollte den Hügel hinunter. Genau bis vor die Hufe meines Pferdes“, berichtete er. „Dich konnte ich dort nicht sehen, daher habe ich sie aufgehoben und mitgenommen.“ Er reichte sie der Prinzessin.
Leilah strahlte, als sie ihre Prinzessinen-Krone entgegennahm. Zufrieden kuschelte sie sich auf den Schoß ihres Vaters. Das war ein aufregender Tag, dachte Leilah und gähnte verstohlen.


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