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greatmum4 Offline




Beiträge: 2.558

25.06.2006 12:15
RE: Pieks sucht Kastanien Antworten

Pieks sucht Kastanien

Pieks steckte vorsichtig seine Nase aus der Höhle und schnupperte. Draußen war es kalt. Der junge Igel wusste, bald war es Zeit für den Winterschlaf. Vorher feiere ich aber noch ein Fest, beschloss er. Ein Winterschlaffest - und dazu lade ich meine Freundin Knabber ein. Sofort machte er sich auf den Weg, um sie zu suchen. Doch schon nach wenigen Schritten blieb er überrascht stehen. Auf dem Boden lagen wunderschöne bunte Blätter, wie er sie noch nie gesehen hatte.
Pieks staunte. Wo kamen diese knisternden Blätter her? Und warum waren sie so bunt?
Im Wald war es Herbst geworden. Die grünen Blätter der Bäume hatten sich rot und gelb verfärbt und waren auf den Boden gefallen. Der kleine Igel wühlte die Nase tief hinein. Dann suchte er sich die schönsten Blätter aus und trug sie in sein Zuhause. Darin kann ich gemütlich Winterschlaf halten, freute er sich. Als er wieder nach draußen ging, sah er Knabber unter einem Baum sitzen. Pieks bewunderte ihr glänzendes braunes Fell, die spitzen Ohren und den buschigen Schwanz.
Pieks trippelte eilig zu seiner Freundin. "Feierst du mit mir ein Winterschlaffest?", fragte er. Das Eichhörnchen freute sich über die Einladung. "Ich komme bestimmt", versprach es. "Gibt es auch etwas zu essen?" Pieks überlegte. "Was magst du denn?", wollte er wissen. Weißt du, was Eichhörnchen essen?
"Ich esse besonders gern Nüsse und Eicheln", erklärte Knabber. "Oder diese eckigen Dinger hier." Und sie zeigte Pieks einige Bucheckern, die im Laub lagen.
"Sie sehen wie kleine Pyramiden aus", fand Pieks und stupste die Eckern mit der Nase an. "Wachsen sie wie Pilze im Boden?", fragte er. Kannst du erklären, wo Bucheckern wachsen?
Knabber schüttelte sich vor Lachen. "Du Dummerchen", kicherte sie. "Bucheckern wachsen doch an Bäumen. Und zwar an Buchen."
Sie sammelten so viele Eckern auf, wie sie nur tragen konnten. Dann brachten sie das Essen in Pieks Haus. "Wer kommt noch zu deinem Fest?", erkundigte sich Knabber. "Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht", gab Pieks zu. "Lade doch Goldauge ein", schlug das Eichhörnchen vor. "Das kleine Reh freut sich bestimmt." Damit war Pieks einverstanden. "Dann brauchen wir für Goldauge auch was zu essen", bestimmte er. "Rehe essen gerne Kastanien", wusste Knabber. "Davon habe ich schon gehört", erinnerte sich der Igel. "Aber an welchen Bäumen wachsen Kastanien?", grübelte er.
"An Kastanienbäumen", erklärte Knabber. "Solche Bäume stehen am Waldrand. Für unsere kurzen Beine ist es ein weiter Weg dorthin." "Dann gehen wir besser sofort los", entschied Pieks. "Warte", schmunzelte Knabber. "Ich nehme noch einen Hut mit." Das Eichhörnchen bückte sich, um etwas aufzuheben.
Knabber setzte sich eine Bucheckernkapsel auf den Kopf. Sie wackelte heftig, als das Tier den Kopf bewegte. Pieks kicherte. Das sah lustig aus, fand er. Das Eichhörnchen grinste verschmitzt. "Unser Weg führt jetzt zwischen dichten Tannen hindurch. Und mit diesem Hut fallen mir keine Nadeln auf den Kopf", erklärte es. Allerdings musste Knabber ihre Mütze gut festhalten, sonst hätte das Eichhörnchen sie schon beim ersten Schritt verloren. Energisch rückte es die Mütze zwischen den Ohren zurecht.
Beide Tiere zogen den Kopf ein, als sie in den düsteren Tannenwald kamen. Es roch nach feuchter Erde und Laub. Pieks schnüffelte. Dann entdeckte er etwas unter den Bäumen.
"So ein schöner Tannenzapfen", freute sich Pieks. "Den nehme ich mit Nachhause. Damit kann ich mir die Stacheln bürsten." Er stupste den Zapfen so lange mit der Nase an, bis er sicher zwischen seinen Stacheln steckte und beim Laufen nicht herunterfallen würde. Dann lief er schnell hinter Knabber her, die schon weitergegangen war.
Endlich hatten sie den Tannenwald durchquert. Die Bäume standen jetzt weniger dicht zusammen, und es war nicht mehr so düster. Daher entdeckten die beiden Tiere schnell, dass sie hier nicht allein waren. Sie versteckten sich im Gebüsch und beobachteten drei seltsame Wesen. Diese schienen zwischen den Bäumen zu tanzen. Sie liefen einige Schritte, dann blieben sie stehen und bückten sich, um einen Pilz aufzuheben. Das wiederholte sich immerzu. "Guck mal", Knabber stieß den Igel in die Seite. "Die haben ja nur zwei Beine. Kein Wunder, dass sie so komisch gehen müssen. Bestimmt haben sie sich einmal verletzt und dadurch ihre anderen Beine verloren." Pieks schüttelte den Kopf. "Das stimmt nicht. Ich habe solche Wesen schon öfter gesehen, sie haben alle nur zwei Beine."
Pieks und Knabber bestaunten die Menschen mit offenen Mund. Als diese ihre Körbe gefüllt hatten, gingen sie davon. Dabei machten sie mit dem Mund seltsame Geräusche. Knabber wunderte sich darüber. In seinen Ohren klang es wie bla, bla, bli, bla - er konnte jedenfalls kein Wort davon verstehen.
Langsam liefen die Tiere den Menschen hinterher. Das Eichhörnchen war besonders neugierig. Es reckte sich so hoch es nur konnte. Dabei passte es nicht auf, wo es hinlief, und stolperte über ein Teil, das auf dem Boden lag. Knabber erschrak. Hektisch fuchtelte sie mit den Pfoten und konnte gerade noch verhindern, dass sie hinfiel. Erleichtert atmete sie auf. Dann berührte sie vorsichtig das helle Ding über das sie gestolpert war. Was war das?
Es war ein Pilz, erkannte Knabber. Den hatten bestimmt die Menschen verloren. Plötzlich hatte sie einen tollen Einfall. "Darauf können wir trommeln", erklärte sie dem Igel. "Dann haben wir auf deinem Fest sogar Musik." Das gefiel Pieks, und er war bereit, auch den Pilz auf dem Rücken zu tragen. Unter lautem Ächzen und Stöhnen befestigte Knabber ihn zwischen den Igelstacheln. Das war gar nicht so einfach, schließlich wollte sie dabei nicht gestochen werden. Endlich hatte sie es geschafft.
Ein leises Rascheln war zu hören, als ein junges Reh aus dem Schatten der Bäume hervortrat. "Goldauge", strahlte Knabber. "Was habt ihr beiden so nah am Waldrand zu tun?", fragte das Reh. "Wir sammeln Essen für mein Winterschlaffest", erklärte Pieks eifrig. "Du bist auch eingeladen." Goldauge schaute den Igel freundlich an. "Ich komme gern", sagte sie. "Vorher habe ich aber noch etwas zu tun." Und sie sprang mit weiten Sätzen davon.
Pieks und Knabber beeilten sich, um endlich den Waldrand zu erreichen. Die Kastanienbäume waren so hoch, dass sie diese schon von weitem sahen. Als sie dort angekommen waren, entdeckten sie zwischen dem bunten Laub etliche braune Früchte. Manche steckten sogar noch in einer grünen Schale.
Schnell hatte Pieks mit der Nase einige Kastanien zusammen geschoben. Doch wie sollte er sie mitnehmen? Die Früchte waren rund und glatt, immer wieder rutschten sie von seinem Rücken herunter. "Ich helfe dir tragen", schlug das Eichhörnchen vor. Und es hob die glänzenden Kastanien mit seinen kräftigen Pfoten auf und rollte sie vor sich her. Wie schön dass Knabber mitgekommen ist, dachte Pieks. Allein hätte ich die ganzen Dinge gar nicht tragen können.
Schwer beladen machten sie sich auf den Rückweg. Goldauge wartete schon vor Knabbers Unterschlupf, und zu dritt feierten sie ein rauschendes Winterschlaffest. Sie aßen und tranken, trommelten und lachten. Als die Feier vorbei war, kuschelte sich Pieks in sein wärmendes Bett aus Laub. Er gähnte müde. Als er die Augen schloss und einschlief, träumte er bereits von seinem nächsten Winterschlaffest.

© Anke Schiermeyer by http://www.kindergeschichtenseite.de

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