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 Geschichten
greatmum4 Offline




Beiträge: 2.558

25.06.2006 12:15
RE: Die kleine Prinzessin und der Drache antworten

Die kleine Prinzessin und der Drache

Vor langer Zeit lebte die kleine Prinzessin Leilah in einem weit entfernten Königreich. Ihr Vater war der König und ihre Mutter die Königin des Reiches. Gemeinsam regierten die beiden so gut, dass die Menschen dort fast immer fröhlich waren und friedlich miteinander auskamen.
Doch eines Tages kam großes Unheil über das Land. Ein verzweifelter Bauer bat die Königsfamilie um Hilfe. „Ein riesiger Drache ist über meine Felder hergefallen“, klagte er. „Er hat meine ganze Ernte verbrannt. Meine Familie und ich werden bald nichts mehr zu Essen haben. Und seht, sogar die Feder auf meinem schönen Hut hat mir das Untier versengt.“ Traurig zeigte er dem Königspaar seine verkohlte Kopfbedeckung.

Leilah hatte sich hinter dem Thron versteckt, um seine Geschichte mit anzuhören. Sie erschrak. Das hörte sich sehr gefährlich an, fand sie. Die Königin war entsetzt. „Wir müssen unbedingt etwas tun, um den Drachen zu vertreiben“, beschloss sie. „Wir wollen unseren stärksten Sohn, den Prinzen Rokko aussenden. Gewiss wird er das Tier im Kampf besiegen.“ Der Bauer war hochzufrieden, als er dies hörte. Denn Prinz Rokko war für seine Stärke im ganzen Land berühmt.

Gleich am nächsten Tag zog der Prinz aus, um den Drachen zu verjagen. Er saß auf einem edlen Pferd und trug eine gewaltige Lanze in der Hand. Außerdem hatte er seine prächtigsten Kleider angezogen. Dadurch wollte er das Ungeheuer beeindrucken.
Der Drache sah den Reiter schon von weitem kommen. Noch bevor Rokko nahe genug war, um ihn mit der Lanze pieken zu können, blähte er die Backen auf - und blies dem Ritter einen kräftigen Feuerstoß entgegen. Rokko konnte sich gerade noch rechtzeitig ducken, sonst hätten ihn die Flammen getroffen. Enttäuscht musste er erkennen, dass er gegen das Untier nichts ausrichten konnte. Daher wendete er sein ängstliches Pferd und ritt beschämt zum Schloss zurück.

Als der Prinz mit leiser Stimme berichtete, dass er den Drachen nicht hatte vertreiben können, brach der Bauer in lautes Wehklagen aus. „Oh nein, oh nein“, jammerte er. „Der Drache ist zu stark für den stärksten Prinzen. Wir sind verloren!“
Leilah beobachtete mitleidig, wie ihm dicke Tränen über die Wangen flossen.
Die Königin versuchte, dem Bauern mit ihrem Taschentuch die Tränen zu trocknen. Er weinte jedoch so sehr, dass ihr kleines Tuch schon bald völlig durchnässt war.
„Tu doch etwas“, forderte sie den König auf.
Dem König hatte eine Idee. „Ich hab´s“, jubelte er. „Wir schicken unseren zweiten Sohn, den klugen Prinzen Reginald aus. Er soll den Drachen überreden, unser schönes Land zu verlassen.“
Der Bauer hörte sofort auf zu weinen, denn Prinz Reginald wurde für seine Klugheit weit und breit geachtet.

Am nächsten Morgen ritt Reginald auf einem alten Esel los. Er trug hässliche Sachen und hatte seine goldene Halskette unter dem Hemd versteckt. So wollte er dem Drachen vorspielen, dass es in diesem Königreich keine Schätze gäbe.
„Wir sind bettelarm“, schwindelte er dann dem Ungeheuer vor. „Uns bleibt kaum genug Brot, um unsere Teller zu füllen. Wir können dir nichts abgeben.“
Der Drache stutze. Er ließ den Blick über das verbrannte Feld vor ihm schweifen. Dort gab es wirklich nichts mehr zu holen. Schon breitete er seine Flügel aus, um davonzufliegen. Doch da fiel ihm etwas auf: Sowohl der Prinz als auch sein Esel hatten ganz dicke, runde Bäuche. Beide waren überaus wohlgenährt. Und unter dem Hemdkragen des Prinzen erspähte er eine goldene Kette. Sie war wohl beim Reiten herausgerutscht.
„Du lügst!“, fauchte der Drache wütend. Er atmete tief ein, um den Prinzen in sein Feuer zu tauchen. Der Esel schrie entsetzt auf. Er drehte sich um und rannte davon, so schnell ihn seine Beine trugen. Das rettete den Prinzen, denn dadurch ging der Feuerstoß knapp an ihm vorbei. Mit hängendem Kopf ritten Prinz und Esel zurück.

Im Schloss berichteten sie über ihren Misserfolg. „Der Drache ist zu klug für den klügsten Prinzen“, stöhnte der Bauer. Wieder stieg ihm das Wasser in die Augen. „Jetzt gibt es niemanden mehr, der uns retten könnte!“ Er schluchzte heftiger als je zuvor. Die Königin versuchte gar nicht mehr, seine Tränen mit ihrem Taschentuch zu trocknen. Hastig blickte sie sich um und griff stattdessen zu einem großen Wischlappen.

Leilah war inzwischen aus ihrem Versteck gekommen. Sie zupfte den König am Ärmel. „Vielleicht kann ich den Drachen verscheuchen“, schlug sie vor.
„Du?", brummte der König. "Du bist doch viel zu klein für solch eine schwierige Aufgabe.“
„Bin ich nicht!“ Leilah stampfte ärgerlich mit dem Fuß auf. „Mir ist auch schon etwas eingefallen, wie ich ihn vertreiben kann.“ Hartnäckig versuchte sie ihren Vater zu überzeugen.
„Lass es sie doch probieren“, bat die Königin. „Leilah hat schon viele gute Einfälle gehabt.“ Sie wrang den Wischlappen aus, aus dem bereits die Tränen tropften. Dabei bildete sich auf dem Boden des Palastes eine Tränenpfütze.
„Also gut“, gab der König nach. „Bevor hier noch der Palast überschwemmt wird.“ Missmutig blickte er auf seinen heulenden Untertan.
„Danke, Papa!“, freute sich die Prinzessin. Sofort ritt sie auf ihrem Pony los.

Sobald sie sich dem Drachen näherte, stieg sie jedoch wieder ab. Sie wollte auf keinen Fall von ihm entdeckt werden. Das letzte Stück kroch sie sogar auf Händen und Füßen. Sie machte sich so klein, wie sie nur konnte. Jetzt war sie so nahe, dass sie das riesige Tier berühren konnte. Gespannt hielt sie den Atem an. Doch der Drache bemerkte sie nicht. Vorsichtig schob Leilah die Schuppen auf der Drachenhaut auseinander und begann das Tier zu kitzeln.
„Hi, hi, hi“, kicherte der Drache. Und: „Ho, ho, ho“, polterte er los. Er zuckte mit dem Schwanz und strampelte mit den Beinen. Er lachte und lachte. Beinahe, ja beinahe wäre er sogar vor Lachen geplatzt. Doch er schaffte es gerade noch davonzufliegen und wurde nie mehr gesehen. Denn der Drache bekam beim Lachen immer heftige Seitenstiche. Daher mochte er es gar nicht.

Die kleine Prinzessin ritt stolz zurück zum Schloss. Die Menschen jubelten ihr zu und klatschten Beifall. Der König umarmte seine Tochter fest. Dann öffnete er seine Schatztruhe und schenkte ihr eine wertvolle Krone mit roten und blauen Edelsteinen. Und niemals wieder behauptete er, dass die Prinzessin zu klein für etwas sei.


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